Das Set up, Aufbau links im Bild, war ein einfaches Portraitlicht, indem wir das Model vor einen dunkelgrauen Hintergrund setzten und eine große Octa-Softbox von schräg vorne setzen, die weiches Licht spendete. Unter das Gesicht hielten wir in Schoßhöhe einen silbernen Reflektor, um dunkle Schatten von unten aufzuhellen. Im Auge waren durch die Lichtsetzung nun zwei schöne Reflexe zu erkennen. Das Sitzen von Model und Fotograf ist entspannt und gibt mit Kreativität auch so manche Posen und Variationen her. Mein Tipp: hier einfach ein bisschen herumprobieren.

Auswahl

Nun zum Wesentlichen: der Bildbearbeitung danach. In der Auswahl gehe ich folgender Weise vor: Wir schauen jeweils 4 Fotos gleichzeitig nebeneinander an und das Model entscheidet sich nur für das Beste dieser Auswahl. Von dieser Auswahl genau das Selbe Verfahren, bis man die gewünschte Anzahl erreicht hat. Diese Methode ist wirklich zeitsparend und entspannt, wenn man die Auswahl zusammen trifft.

Kamera RAW

Im Shooting fotografiere ich immer in JPEG und RAW, jpeg: für die Auswahl und raw für die Bearbeitung. In einem Foto in Raw-Format sind sämtliche Bildinformationen vorhanden, die für die Bearbeitung von großem Vorteil sind. Farben, Kontraste, Tiefe, Lichter; alles kann viel mehr raus geholt werden und es ist viel flexibler. Von den ausgewählten Bildern öffne ich also jeweils die Raw’s in Kamera Raw, der Voreinstellung in Photoshop. Die Bilder lassen sich nur alle zusammen öffnen, wenn vorher bereits ein JPEG Foto in Photoshop geöffnet wurde. Ansonsten öffnet sich jedes Bild einzeln und das ist nervig.

Das sind meine Einstellungen, die ich so mache. Dort wo sich der Pfeil befindet mache ich noch so manche andere kleine Korrekturen, da empfehle ich, sich einfach mal durch zu klicken. Um die Bearbeitung auf allen Bildern gleichzeitig vorzunehmen, einfach alle Bilder links markieren. Anschließend unten auf “Bilder öffnen” klicken.

Photoshop

In der Reihenfolge erkläre ich jetzt meine einzelnen Schritte:

  • Hautunreinheiten entfernen: durchsichtige Ebene erstellen (sehr wichtig, da man es sonst später nicht mehr rückgängig machen kann) und mit Ausbesserungswerkzeug die Stelle die kopiert werden soll mit Alt festhalten und auf: Pickel, Hautfetzen, Unreinheiten, Mitesser… setzen. Dabei immer darauf achten, dass man nur “Vergängliches” entfernt, alles was in einer Woche wieder weg sein könnte. Nicht aber: Muttermale & Narben (nur in Ausnahmefällen)
  • Struktur-Frequenztrennung; um Hautfarben anzupassen ohne die Struktur zu zerstören. Dieser Schritt unterscheidet die professionelle Bearbeitung von einer weniger professionellen. Gesamtebene 2x kopieren, ich nutze den Shortcut Alt+Strg+Umschalt+E, auf die untere Ebene kommt ein Gauschner Weichzeichner: oben Filter > Weichzeichnungsfilter > Gauschner Weichzeichner, Radius: 12,5 Pixel, in der oberen Ebene stellt ihr ein: oben Bild > Bildberechnungen und Folgendes:

Mit dem Pinselwerkzeug, könnt ihr nun auf der unteren Ebene die Farben super anpassen: perfekt für zum Beispiel rote Flecken oder dunkle Augenringe. Deckkraft je nach belieben einstellen. Mit dem Stempelwerkzeug kann auf der oberen Ebene gearbeitet werden und die Struktur super verändert werden, ohne die Farbe dabei anzufassen. Aufpassen, dass oben “Aktuelle Ebene” ausgewählt ist, sonst funktioniert es nicht. Hiermit bearbeite ich z.B. trockene Haut, Dellen und die Haut unter den Augen, die meist etwas “hübbelig” aussieht.

  • Als nächstes wende ich die selektive Farbkorrektur an und helle ein bisschen die Zähne auf, bzw. mache gelbe Zähne etwas weißer. Die Augenfarbe verstärke ich auch mit diesem Werkzeug, allerdings mit einer neuen Ebene. Einfach die weiße Ebene mit Strg+i umkehren und mit einem weißen Pinsel und eingestellter Deckkraft gewünschte Stellen bemalen. Generell halte ich mich bei der Bearbeitung immer daran: so natürlich wie möglich! Merkmale hervorheben, Vergängliches entfernen und den Menschen nicht zu stark verändern, damit man ihn oder sie auch nach der Bearbeitung noch erkennt.
  • Für abstehende Haare nutze ich einen großen Kopierstempel mit 0% Härte. Auf einer durchsichtigen Ebene und kopiere den einfarbigen Hintergrund mit geringer Deckkraft über die einzelnen Haare.
  • Dodge & Burn: das berühmte abdunkeln von Schatten und aufhellen von Lichtern, bzw. Highlights setzen. Üblicherweise wird das in der Beauty- und Fashionfotografie eingesetzt. Ich mache das immer so, dass ich zwei Graduationskurven setze. In der unteren Ebene gehe ich wie folgt vor: Punkt in der Kurve bei Schatten (links) etwas herunterziehen und Ebene umkehren (Strg+i) und mit weißem Pinsel (auf schwarzer Ebene) Schatten abdunkeln. In der zweiten Kurve genau anders herum, die Lichter (rechts) hochziehen, Ebene umkehren und mit weißem Pinsel Highlights (Lichter) setzen, bzw. Lichter aufhellen. Wozu das Ganze? Es gibt dem Gesicht eine Tiefe  und Plastizität.
  • Hochpassfilter: um dem ganzen noch mehr Schärfe zu geben, wende ich am Schluss noch den Hochpassfilter an: Gesamte Ebenen kopieren (Alt+Strg+Umschalt+E) dann Filter > Sonstige Filter > Hochpass… Den Radius so einstellen, dass Strukturen zu erkennen sind, einfach mal herumprobieren, in meinem Falle ist er auf 3,4 eingestellt. Ok klicken und den Lichtmodus wie bei der Struktur-Frequenztrennung statt “Normal” auf “Ineinanderkopieren” einstellen. Einige wenden den Filter auf das ganze Bild an. Ich finde aber, dass es wichtig ist, Augen mehr zu betonen und ansonsten nur das Gesicht und eventuell Haare mitzunehmen, das funktioniert mit einer Maske, die ich auf das die Ebene anwende, kehre diese um (Strg+i) und male mit einem weißen Pinsel gewünschte Stellen an. So kann man viel präziser entscheiden, welche Stellen besonders knackscharf sein sollen, welche weniger und welche vielleicht gar nicht.

was ich sonst noch so mache:

  • zuschneiden: sodass das Gesicht mittig platziert ist, eventuell noch ein bisschen die Ausrichtung verändern
  • verflüssigen: eine neue Gesamtebene erstellen und oben Filter > verflüssigen Beispielsweise die Augengröße etwas anpassen, Haaren etwas mehr Volumen geben, Lächeln etwas mehr hervorheben…
  • Sättigung: auf Augen oder Kleidung die Farbe mehr sättigen, um es mehr hervorzuheben und eventuell Farbkontraste zu erzeugen
  • Augenbrauen abdunkeln, um diese zu verstärken, oder bei sehr dunklen Augenbrauen etwas aufhellen, um es etwas freundlicher aussehen zu lassen
  • Haare aufhellen, um sie hervorzuheben
  • gekreuzte einzelne Haare: auf transparenter Ebene mit einem kleinen Ausbesserungswerkzeug parallel des Haares lang führen, um dieses zu entfernen
  • kleine Schuppen im Haar mit Ausbesseurungswerkzeug kaschieren

Ich hoffe ich habe euch geholfen und wünsche euch viel Spaß beim ausprobieren. Ich schaue mir zu den einzelnen Punkten auch gerne mal Youtube Tutorials an, um mehr zu verstehen. Viele Punkte, die ich aufgezählt habe, lassen sich bei Photoshop auch auf viele anderen Arten und Weisen anwenden. Man muss nur gucken, welcher Weg der Richtige ist.

Vorher / Nachher